Die Welt | 15. November 2007

Kleine Weltreise mit großer Wirkung

Integrationspreis: Mit dem Projekt "Switch" bringt Hourvash Pourkian Kindern das Fremde ganz nah

Denkt Farahnaz Rahmani an Russland, fallen ihr Pfannkuchen ein. Pfannkuchen pur, mit Hackfleischfüllung oder mit joghurt. Also hat die 13-Jährige Deutsch-Afghanin die Pfannkuchenrezepte und alles, was für sie sonst noch neu war, in einem Tagebuch aufgeschrieben. Im Sommer hat die 13-Jährige eine Reise in die fremde Kultur gemacht, ohne dabei die Grenzen der Stadt zu verlassen. Farahnaz war bei dem Projekt "Switch - In vier Tagen um die Welt" dabei, das von der Kulturbrücke Hamburg veranstaltet wird.
Das Prinzip: Eine Gruppe mit vier Kindern aus verschiedenen Nationen verbringt jeweils einen Tag bei der Familie eines Kindes und lernt dort landestypische Sitten und Bräuche kennen.
Gestern wurde das Projekt mit dem zweiten Platz des diesjährigen Hamburger Integrationspreises ausgezeichnet. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis ging außerdem an den Kinder- und Jugendzirkus Abrax Kadabrax und den Deutsch- und Kochkurs der Baugenosseenschaft Fluwog-Nordmark. Das Gesicht hinter "Switch" ist das von Hourvash Pourkian. Eine Frau, die selbst ein Lied davon singen kann, wie es ist, in einem fremden Land Fuß zu fassen. Vor 32 Jahren kam sie nach Deutschland. Die Idee zur Kinderreise setzte sich doch schon viel früher im Kopf der 49-Jährigen Unternehmerin, Autorin und Gründerin von Kulturbrücke e.V. fest. Genauer gesagt als sie zwölf Jahre alt war. "Zusammen mit meinem Bruder war ich in Teheran von einer japanischen Familie zum Mittagessen eingeladen worde", erzählt sie. Ein paar Stunden tauchten die beiden Kinder in eine fremde Welt ein. "Eine, in der Sonnenschirme an der Wand hingen und wo man mit Stäbchen aß - dieses Erlebnis werde ich nie vergessen", sagt sie.
Durch das Projekt "Switch" können mittlerweile jährlich rund 300 Hamburger Kinder eine ebenso exotische Reise unternehmen wie sie. 
Neugier, das muss auch ihr Antrieb gewesen sein. Ende 1974 folgte die gebürtige Iranerin mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern dem Vater, der aus politischen Gründen nach Deutschland emigriert war. Deutschland, das war für die 16-Jährige nach den Eindrücken der ersten Tage ein fremdes Land. Eines, indem man für ein Glas Wasser Geld bezahlen muss. "Hier sah ich zum ersten mal Menschen, die weiße haut haben, auch im Sommer, und Straßen mit Kopfsteinplaster." Fortan paukte die junge Frau fünf Stunden pro Tag Deutsch und besuchte später das Gymnasium Nach einem BWL-Studium ging sie in die USA und nach London, wo sie Managementkurse belegte. Zurück in Deutschland gründete sie Ende 1988 ihr eigenes Textilunternehmen, Und lernte, dass man als Frau doppelt so gut sein muss wie ein Mann, um Karriere zu machen. "Merkwürdigerweise msuste ich mich mehr als Frau, denn als Ausländerin behaupten", sagt sie. Diese und andere Erfahrungen brachte sie 1988 zusammen mit ihrem Vater in dem Buch "macht macht müde Frauen munter" zu Papier.Nach Beratertätigkeiten für Bürgermeister Ole vn Beust gehört sie seit Juli 2002 dem integrationsbeirat des Senats an. 2003 rief sie Kulturbrücke Hamburg e.V. ins Leben. Seit Winter 2005 organisiert sie die "Switch"-Weltreisen. "Shamo", so lautet Hourvash Pourkians Spitzname. Das ist Persisch und bedeutet "Engelchen". Ob sie was von einem Engel habe? Da lacht sie. "Haben die nicht blonde Locken?", fragt die orientalische Schönheit. Der name stammt von ihrem Vater, sagt sie. Von ihm habe sie viel gelernt. "Nämlich, das Fremde nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu sehen."

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