Textilwirtschaft | 30. Januar 1997

Shamo Textil: Jeans-Spezialist für kleinere Einzelhändler und Versender
Engelchen mit One-woman-show

Hamburg - Vor acht Jahren gründete die gebürtige Teheranerin Hourvash Pourkian ihr eigenes Unternehmen: Unter dem Label Shamo startete sie als Anbieterin preiswerter Jeans.

Schon früh wußte die heute 38jährige Unternehmerin, daß sie sich beruflich in der Textilbranche engagieren würde. Vor dem Sprung in die Selbständigkeit war sie deshalb auch bei Winkler in Norderstedt tätig, bis zur Pleite im letzten Jahr Textil-Großhändler. Als Grund für ihr Ausscheiden dort im Jahre 1988 nennt sie diese Überlegung: wenn schon viel arbeiten, dann doch besser auf eigene Rechnung. Gesagt, getan: unter den Fittichen ihrer Brüder, die bereits im Im- und Export-
geschäft bzw. in der Unternehmensberatung tätig waren, wagte sie den Sprung in die Selbständigkeit. Als Firmennamen wählte Hourvash Pourkian ihren Kosenamen innerhalb der Familie: Shamo, auf deutsch Engelchen.

Die Anfänge waren bescheiden. Pourkian startete mit zwei Jeanspaßformen, einer gemäßigten Karotte und der Röhre. Ihr Konzept: Einerseits Orientierung im unteren Preissegment (die Jeans liegen zwischen 25 und 30 DM EK), andererseits Spezialisierung auf eine Marktnische, die ihrer Ansicht nach von den namhaften Anbietern gern übergangen wird, nämlich kleine Einzelhändler, örtliche Filialisten und Versender. Ihnen sei es häufig allein wegen der geforderten Mindest-Stückzahlen unmöglich, zur preislichen Abrundung ihres Jeans-Sortiments selbst in den Jeansgroßhandel einzusteigen. Zudem ist die Ware bei Shamo ab Lager im Quick-Service erhältlich, möglichst innerhalb eines Tages soll die bestellte Ware beim Kunden sein. Das Timing der Gründung hätte nicht besser sein können, denn kurz darauf boomte im Osten nach dem Fall der Mauer die Nachfrage nach Jeans. Die dort abgesetzten Stückzahlen bildeten in den ersten Jahren eine gute Grundlage und halfen über die Anfangsschwierigkeiten des jungen Unternehmens hinweg. Heute bedient Shamo rund 300 Kunden in ganz Deutschland. Den Umsatz beziffert sie auf rund 3 Mill. DM. Dies erzielt Shamo mit einer inzwischen ausgewachsenen Jeans-Kollektion, die Jeans-Hemden, -Jacken, -Westen und -Röcke umfaßt, dazu kommen Sweat- und T-Shirts und Strickteile. Rund 80 % des Umsatzes werden mit Jeans erzielt. Als Zielgruppe gibt Pourkian die Konsumenten im Alter ab 25 Jahre an. Jüngere seien "zu sehr auf die In-Marken fixiert".

In Zukunft bietet Shamo auch Berufskleidung
Pourkian schmeißt den Laden mit fünf Mitarbeitern, wobei sie selbst für die Kollektion, den Rohwareneinkauf und den Verkauf zuständig ist – nahezu eine One-woman-show. Sie möchte stets wissen, mit wem sie es geschäftlich zu tun hat, und das gehe im direkten Miteinander eben besser als per Telefon. Die Zukunftspläne für Shamo? Jeans im mittleren Preissegment anbieten. Zur Zeit arbeitet man noch an den ersten Teilen, aus OE/Ring-Denim in 14 1/2 bis 15 oz, in modischen Schnitten, etwa für 35 DM EK. Außerdem bearbeitet man ganz neu auch den Bereich Berufskleidung. Was liegt schließlich näher für ein Unternehmen in der Hamburger Speicherstadt, das in unmittelbarer Nachbarschaft zahlreiche Schiffsausrüster als potentielle Kunden hat?