Der Selbstständige | Juli 1999

Erfolgreiche Existenzgründer

Kleine Preise brachten großen Erfolg


Es ist schon faszinierend, was diese attraktive Frau in den letzten 10 Jahren aufgebaut hat: "Shamo" – inzwischen ein Begriff für Jeans im niedrigen Preisbereich.

Die Rede ist von der jungen, erfolgreichen Unternehmerin Hourvash Pourkian. Mit 16 Jahren – also 1975 – kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland und sprach kein Wort Deutsch. In den folgenden sechs Monaten holte sie dies nach und wurde in das Albert-Schweitzer-Gymnasium eingeschult. Nach Abi, Lehre als Groß- und Außenhandelskauffrau und BWL-Studium arbeitete sie in der Textilbranche und baute in einem Handelshaus erfolgreich eine neue Abteilung auf. Irgendwann sagte sie sich: Was ich dort angestellt gemacht habe, das schaffe ich auch für mich – ich mache mich selbständig. Gesagt – getan. Im Dezember 1988 wurde die Firmenkonzeption erarbeitet und im Januar 1989 die Firma in Hamburg angemeldet. Jetzt folgte der steinige Weg, um zinsgünstige Kredite zur Existenzgründung zu bekommen.

Die Firmen-Konzeption – wohl fundiert durch die Hilfe eines Unternehmensberaters – wurde verschiedenen Banken vorgetragen, bis sie von der Deutschen Bank akzeptiert und für gut befunden wurde. Die Hamburger Bürgschaftsgemeinschaft wurde einbezogen und auch ERP-Mittel beantragt. Nach einem "Nein" aus Bonn schloß sich zunächst die Bürgschaftsbank diesem Votum an. Aber Frau Pourkian blieb am Ball und in einem alles entscheidendem Gespräch überzeugte sie mit Fachwissen, Temperament und brillanter Argumentation – und bekam zu ihren Kreditwünschen ein "Ja". Mitte 89 stand die Firma und die Arbeit begann.

Mit Qualität zu kleinen Preisen, viel Service und persönlicher Kundenbetreuung schaffte es Hourvash Pourkian, ein mittelständisches Unternehmen aufzubauen, das heute rund 500 Einzelhändler und Filialisten beliefert.

Flexibilität wird hier großgeschrieben: als sich abzeichnete, daß der herkömmliche Jeansmarkt rückläufig war, glich man dies durch andere Produktgruppen aus. So wurden Twill-Erzeugnisse (reine Baumwolle), Strickwaren aus KBA-Wolle als Oberteile (Polo- und Sweatshirts für Damen und Herren) sowie Berufskleidung in das Sortiment aufgenommen. Gerade die Berufskleidung wird als zweites Firmenstandbein ausgebaut. Schon kurze Zeit nach der Einführung werden heute bereits umfangreich Ärzte, Bäckereien und Tankstellen mit den spezifischen beruflichen Textilien ausgestattet.

An diesem Beispiel von Hourvash Pourkian und ihrer Firma "Shamo-Textil Import- Export" kann man sehen, daß es auch in der heutigen Zeit nicht nur Männern, sondern auch starken, selbstbewußten Frauen gelingt, Firmen mit Millionenumsätzen langfristig stabil aufzubauen.