Auszüge aus der Rede von Hourvash Pourkian | 25. April 2001

"Beispiele für die erfolgreiche Integration von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern".

"Die Frage, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist und wir ein Einwanderungsgesetz benötigen, ist in der letzten Zeit durch die befristete Anwerbung von ausländischen Fachkräften in der IT-Branche wieder verstärkt in die Diskussion gekommen. Viel wichtiger jedoch wäre die Regelung der Integration für bereits Eingewanderte, die legal in Deutschland leben und arbeiten. Wie geben wir ihnen die Chance, sich sprachlich und gesellschaftlich einzugliedern?

Einwanderung ist angesichts des kommenden demographischen Problems unumgänglich. Die Politik ist gefordert, selbständiges Handeln und unternehmerisches Denken bei den Ausländern zu fördern und zu unterstützen. Wir müssen Ihnen die Wege zeigen, nicht nur die Wege zum Sozialamt. Ein Sozialsystem muss die richtigen Anreize schaffen, um die Menschen für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren."

Hamburger Arbeitsmarkt
"Die Situation der ausländischen Mitbürger auf dem Hamburger Arbeitsmarkt ist mehr als besorgniserregend. Sie verschlechtert sich Jahr für Jahr. Der Anteil der Migranten an der Hamburger Arbeitslosenquote steigt seit Jahren kontinuierlich. Betrug er 1990 14,8%, so ist er mittlerweile auf 22% angestiegen. Im Rahmen des Sofortprogramms der Bundesregierung zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit sollten speziell ausländische Jugendliche in Ausbildung und in Arbeit vermittelt werden. Die Teilnahme ausländischer Jugendlicher an Maßnahmen des Programms ist mit 25 Prozent zu gering. Der Hamburger Senat muss die vom Bund zur Verfügung gestellten Gelder – in 1999 und 2000 waren dies 60 Millionen DM – effizienter einsetzen."

Hamburger Bildungssystem
"Hamburg sollte national und international im Universitäten-Ranking einen besseren Platz anstreben. Das gelingt nur, wenn ausländische Studentinnen und Studenten mit offenen Armen von Hamburger Universitäten aufgenommen werden. Wir brauchen ihren Intellekt. Nur so kann Hamburgs Image als Wirtschafts- und Kulturmetropole erhalten bleiben. Wir müssen die jungen Menschen davon überzeugen, dass Hamburg in der Tat eine attraktive, weltoffene Großstadt ist, in der es sich lohnt, sesshaft zu werden. Ob es die absehbare demographische Entwicklung ist, der Mangel an Fachkräften in etlichen Wirtschaftsbereichen oder einfach die Erhaltung der Internationalität Hamburgs, alle diese Gründe erfordern mehr Zulauf durch ausländische Studenten."

Situation der Migrantinnen
"Mangelnde Sprachkenntnisse erweisen sich für ausländische Frauen immer wieder als herausragendes Problem. Ohne Sprache ist Integration nicht möglich. Die Sprache ist der Schlüssel zum Abbau von Berührungsängsten, zur Kommunikation und zum Einstieg in Ausbildung und Berufswelt."

Lösungsvorschläge und Maßnahmen "Integrationspaket"

"Jede Ausländerin und jeder Ausländer erhält dieses Paket kostenlos bei Eintreffen in Deutschland oder auf Wunsch bei den jeweiligen Behörden und Kammern. Das Integrationspaket sollte ein Leitfaden sein, folgende Grundlagen enthalten und in deutsch sowie der Landessprache der Ausländer verfasst sein:

1. Es müssen neue Möglichkeiten gefunden werden, Sprachkurse schneller, effektiver und kostengünstiger zu ermöglichen.
Beispiele:
- Sprachkurse und andere Informationen auf Videokassetten in der jeweiligen Landessprache der Ausländer
- Sprachkurse müssen nachmittags, abends oder am Wochenende in Schulen oder Kirchen stattfinden können, da diese zu bestimmten Zeiten ungenutzt leer stehen. Hier muss Bürokratie abgebaut werden. In Frankfurt werden bereits verschiedene Projekte unterstützt. Von Kirche und Staat werden kostenfreie Sprachkurse für Migrantinnen und Migranten angeboten.
- Landsleute und Familienangehörige von Migranten, die der deutschen Sprache mächtig sind, müssen motiviert werden, ehrenamtlich Sprachunterricht zu erteilen. In den Niederlanden und in Schweden wird dieses bereits erfolgreich praktiziert.
- Pensionierte Deutschlehrerinnen und -lehrer müssen motiviert werden, sich ehrenamtlich zu engagieren. Für sie muss eine Bonusregelung gefunden werden.

2. "Wir müssen die Vermittlung der deutschen Sprache mit der Vermittlung der deutschen Rechts- und Gesellschaftsordnung, Kultur, Geschichte, Politik und dem Christentum verbinden.
Den Migrantinnen und Migranten soll bewusst gemacht werden, welche Rechte sie in diesem Land haben, aber auch, welche Pflichten dazugehören."

3. "Das Paket muss Hinweise über das deutsche Bildungssystem und Adressen von Beratungs- und Informationsstellen enthalten."
Beispiele:
- für die Unterstützung von Existenzgründungen ausländischer Mitbürger (in Bremen bereits praktiziert)
- Eltern jugendlicher Migrannten müssen motiviert werden, ihren Kindern entsprechende Unterstützung bei der Berufsberatung und -wahl zu geben

4. "Auch die deutsche Bevölkerung sollte sich aktiv an den Maßnahmen zur Integration beteiligen, Toleranz und Akzeptanz fördern und so dem Ausländerhass entgegenwirken."
Beispiele:
- Migranten könnten in Schulen eingeladen werden und im Unterricht über sich, ihr Schicksal, ihre Kultur und Heimat berichten.
- Filmprojekte in Form von Videoaktionen unter dem Motto "Ausländer stellen sich vor" könnten in Schulen durchgeführt werden.
- gemeinschaftliche Eigenarbeit von deutschen und ausländischen Mitbürgern sollte durch Projekte erfolgen. Das Projekt "Internationale Gärten" in Göttingen, in dem Gemüse-, Obst- und Kräutergärten gemeinsam bewirtschaftet werden, könnte in Hamburg in Zusammenarbeit mit Hamburger Kleingartenvereinen durchgeführt werden.

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